Was ich so mache, wenn ich nicht blogge? 
(Und ich blogge in letzter Zeit ja so gut wie gar nicht)
Laufen und Geld für Laufschuhe, Startgebühren & co verdienen!

Am letzten Wochenende hat mich der Wahnsinn ins tiefste Thüringen getrieben: In Sondershausen wollte ich 10km in 700m Tiefe in einem Salzbergwerk laufen.
Was sich bei der Anmeldung im Sommer wie eine bekloppte Idee anhörte, stellte sich gut 4 Monate später ... als eine bekloppte, aber spannende Aktion heraus. Aber dazu gleich mehr!

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Glück auf!

Wie kommt man auf die Idee, an so einem Lauf teilzunehmen? Nun, ich hatte den Bericht von Sascha auf dem Laufmädchen-Blog über den Halbmarathon unter Tage im letzten Jahr gelesen und als Ruhrpott-Kind hab ich natürlich sofort Blut geleckt. Das wollte ich auch! Gut, ein Halbmarathon ist für mich schon an einem normalen Wochenende auf der Straße bei 12°C eine Herausforderung. Auf einer unebenen Strecke mit einigen Höhenmetern unter Tage und bei mukkeligen 28°C sollten mir 10km reichen.

Auf den Lauf habe ich mich nicht besonders vorbereitet, denn wie soll man die äußeren Bedingungen auch simulieren?! Im Hochsommer hat mich der Gedanke an den Lauf unter Tage häufiger motiviert, wenn es abends um 21 Uhr immer noch weit über 20°C warm war und mal wieder Intervalle im Trainingsplan standen.

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Steigerstraße

Die Anreise von Erfurt nach Sondershausen mit der Regionalbahn gestaltete sich ganz okay: man fährt etwa eine Stunde, aber die Bahn kommt nur alle 2 Stunden. Da muss man also etwas auf die Uhr schauen. Als ich mir die Bahnverbindung raussuchte, durfte ich feststellen, dass ich von der Steigerstraße in der Nähe der Jugendherberge Erfurt zur Haltestelle Glück Auf am Bergwerk fahren musste. Was sollte da noch schief gehen!?

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Barbara im Nebel

18. Kristall-Lauf - Erlebnisbergwerk Sondershausen

Im Zug hab ich zum Glück einen Mitläufer aus Jena getroffen, der mir eine Mitfahrgelegenheit von Sondershausen zum Bergwerk organisiert hat. Sehr nett! Am Bergwerk angekommen, organisiere ich mir Startnummer und Transponder und mache mich auf die Suche nach der Damenumkleide. Leider bleibt die Kaue den Herren der Schöpfung vorbehalten und das Weibsvolk muss sich in einem winzigen Raum mit 2 Duschen umziehen. Tja, das liegt wohl daran, dass das Bergwerk immer noch in Betrieb ist und unter Tage nun mal eher Männer arbeiten. Schade, um die Fotooption! Ich hätte schon gerne meine Klamotten unter die Decke gezogen.

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Brügmanschacht

Nach dem Umziehen geht es einige Stockwerke höher zum Brügmanschacht. Ab dort heißt es "Helm auf!" und aufs Einfahren warten. Die Schlange hält sich zum Glück in Grenzen und die 400 Starter plus einige Zuschauer kommen sicher auf -700m an.

Bis zum Start ist noch viel, viel Zeit, also kann ich mich erstmal umsehen: eine Bergmannkapelle sorgt für die richtige Stimmung, der Start/Ziel-Bereich ist gut beleuchtet, aber der Boden zeigt schon, welche Tücken uns auf dem Rundkurs noch erwarten werden. Stein und Salz sind mal durchfurcht, mal spiegelglatt, mal liegt feiner Salzstaub wie Puderschnee am Rand. Es ist warm, aber nicht zu heiß oder zu trocken.
Irgendwann geht es dann endlich in Richtung Start. Ich schätze meine Leistung im Vergleich zu den sehnigen Damen und Herren im Vereinstrikot als unterirdisch ;-) ein und reihe mich im hinteren Drittel des Starterfelds ein. 

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Herzlich Willkommen 700m unter Tage!

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Bergmann-Kapelle

Der Gong gont und die Läufer laufen. Ich traue meinen Knochen und Bändern nicht zu, auf diesem Untergrund zu bestehen und eier dementsprechend voooorsichtig über die Strecke. Es geht erst leicht bergauf, dann um eine Kurve und dann ... im Dustern irgendwie bergab. Das mit dem "Duster" und "irgendwie" meine ich genauso: Ich hebe meine Hand hoch und sehe NICHTS! Zum Glück sind um mich herum ein paar Stirnlampenläufer, sonst wär ich ganz schön aufgeschmissen. Die Runden sind ein Wechselspiel aus Licht und Dunkelheit, aus Bergauf und Bergab. Insgesamt machen wir auf jeder der sechs Runden etwa 25 Höhenmeter. Bergauf kann ich. Sogar noch in der letzten Runde als deutlich Fittere schon gehen müssen. Nur Bergab trau ich mich einfach nicht und so überholen mich immer mehr Läufer. Dass wir 6 Runden auf der gleichen Strecke laufen müssen, trägt natürlich dazu bei. Es dauert etwas bis ich verinnerliche: Das ist kein Straßenlauf. Hier läufst du keine Bestzeit. Das ist nur für dich! Mir schießt immer wieder das Bild durch den Kopf, dass das hier wie eine Nachtwanderung bei Glatteis ist. Ein echtes Abenteur! Im Vorfeld hatte ich gedacht, dass die Temperaturen mein größter Gegner werden, aber der Untergrund und die zum Teil grottige Beleuchtung fordert so viel Aufmerksamkeit, dass ich mir gar keine Gedanken über die Hitze mache.
Die Versorgungsstation lasse ich trotzdem nicht aus, denn dass mir aus Flüssigkeitsmangel schwummerig wird, kann ich auf der Strecke wirklich nicht gebrauchen.

Irgendwann hab ich vergessen, wie viele Runden ich schon gelaufen bin. Auch eine Mitläuferin, die ich frage, wie lange sie noch "muss", hat keine Ahnung. Beruhigend, dass nach 40 Minuten Rennerei bei 28°C und 700m unter Tage nicht nur meine grauen Zellen den Dienst einstellen. Ich orientiere mich an meiner Uhr, die eine absolut frustrierende Pace anzeigt, und als gefühlt schon alle im Ziel sind, mache ich mich auf den Weg in die sechste Runde. Am Ende von Runde 5 fand ich mich blöd, weil ich so langsam war, aber die sechste Runde kann ich wirklich genießen: Ich kenne die Strecke, es sind tatsächlich noch Leute unterwegs und mich rempeln beim Bergab-Laufen keine schnelleren Läufer mehr an. Am Ende komme ich nach 1:12:xx ins Ziel. Superlangsam, aber auch froh, dass Abenteuer gewagt und unverletzt überstanden zu haben.

18. Kristall-Lauf Sondershausen - Zielfoto, bitte lächeln!

Also, wenn ihr mal was Beklopptes tun wollt:
 Lauft in Sondershausen unter Tage!
(aber reist mit dem Auto an, das ist deutlich entspannter ;-) )

Free Primes & Fermats Letzter Satz
10/29/2012

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